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Leseprobe

And The Beat Goes On
Die Berliner Musikszene in den sechziger Jahren

Verlag: Tectum | > direkter Link zum Buch

Zu diesem Buch:

Das Feuer der Liebe zur Musik der sechziger Jahre ist in mir schon früh entfacht worden. Mein Vater hatte mich mit den Songs der Beatles konfrontiert. Seine Tonbandaufnahmen waren ein enormer Gewinn für meine musikalische Entwicklung. Der Samstagmorgen schien der RIAS*1* – Sendung „Evergreens A GoGo“, moderiert von Lord Knud, vorbehalten.

1964 geboren, habe ich meine musikalische Sozialisation in den 70ern erlebt und war dabei immer dem revolutionären Geschehen der Swinging Sixties verbunden. Die Beatles und die Rolling Stones liebe ich noch immer. Ihnen ist es zu verdanken, dass ich selbst um den Kauf einer Gitarre bat und bis heute in Bands musiziere, auch immer bemüht war, Kindern und Jugendlichen den Zugang zur Musik zu ermöglichen.

In meiner beruflichen Tätigkeit als Pfarrer in verschiedenen Gemeinden sowie als Religionslehrer konnte ich meine musikalischen Fähigkeiten stets gewinnbringend einsetzen.

Seit den sechziger Jahren haben immer wieder Jugendliche versucht, ihren Idolen nachzueifern, in dem sie selbst in Bands enthusiastisch musizierten. Mit den Beatles selbst hatte es sich nicht anders verhalten. Little Richard war das Vorbild des jugendlichen Paul McCartney, John Lennon eiferte wie viele andere Elvis nach und George Harrison eignete sich Note für Note die Songs eines Carl Perkins an, Keith Richards schließlich begeisterten die Gitarrenriffs*2* eines Chuck Berry.

Die junge Bundesrepublik blieb von dieser Entwicklung nicht verschont. Zunächst orientierten sich die Nachwuchstalente an den amerikanischen Größen, entdeckten dann aber vor allem in Hamburg die aus England, speziell aus Liverpool und London herüberschwappende neue Richtung des Rock n Roll, der dann später als Beat in die neuere Geschichte der Populärmusik eingehen sollte.

Viele Bereiche öffentlichen Lebens wurden wie selbstverständlich davon berührt. Die Hersteller von Gitarren bauten in Deutschland wichtige Instrumente. Das Geschäft

boomte. Paul McCartney und Bill Wyman waren über lange Jahre mit Bassgitarren aus Deutschland zu sehen. Das Fernsehen rief den „Beat – Club“ ins Leben. Nationale und internationale Top – Acts gaben sich dort ein Stelldichein.

Freundschaft verbindet mich mit den Musikern Joachim „Danny“ Wall, Volker „Chubby“ Herrmann und Lothar Jenner, ohne deren Hilfe ich dieses Buch sicherlich nicht hätte schreiben können. Sie halten seit den sechziger Jahren den Beat in Berlin am Leben, haben nie aufgehört, Musik zu machen. Danny Wall, der legendäre Gitarrist der „Hound Dogs“, gilt zu Recht als der Mann, der den neuen Sound aus Hamburg nach Berlin brachte. Über die Hamburger Szene ist stets viel geschrieben worden. Die Frontstadt hatte aber fast genauso viel zu bieten. Bedingt durch die unfreiwillige Insellage galten die Berliner Bands als hart und laut, orientierten sich zuweilen auch eher an den britischen Rhythm n Blues Bands wie den rauhen „Pretty Things“ als an den eher seichten „Searchers“ oder „Gerry & The Pacemakers“ aus Liverpool. In Berlin musste einfach jede Combo den harten Klassiker der Gruppe „Them“ , „Gloria“, interpretieren. Die Veranstalter verlangten danach. Von den Legenden, die sich um gewisse Darbietungen ranken, wird noch zu reden sein. Die Berliner „Lords“, bekannt für eine ausgefeilte Bühnenshow, waren den Hamburger „Rattles“ in punkto Präsenz „on stage“ allein schon durch ihre Kostüme überlegen. Ihr Song „Poor Boy“ sprach den Westberliner Jungs aus der Seele.

Die Entwicklung ging weiter. . .

*1*- RIAS: Rundfunk im amerikanischen Sektor

*2*- „Riff ist eine melodische Figur, die von einem Instrument unverändert wiederholt wird.“ (Tibor Kneif, Sachlexikon Rockmusik, S. 171)